Körperliche Aktivität schützt vor Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit

April 2016 

 

Körperliche Aktivität gilt als bedeutender Schutzfaktor für das Gedächtnis im Alter – nicht nur, weil hierdurch verschiedenen vaskulären Risikofaktoren wie Übergewicht und Bluthochdruck entgegengewirkt wird, die ihrerseits das Demenzrisiko erhöhen, sondern weil Sport auch auf direktem Wege die Hirnaktivität positiv beeinflusst. Dies zeigt auch eine neue Studie von Willey und Kollegen mit über 870 älteren Teilnehmern eindrucksvoll. Sie untersuchten die geistige Leistungsfähigkeit der Teilnehmer  mit neuropsychologischen Verfahren und befragten sie im Hinblick auf ihre sportliche Betätigung in der Freizeit. Die Untersuchung wurde fünf Jahre später wiederholt. Es zeigte sich, dass Personen, die keiner oder nur einer geringfügigen körperlichen Aktivität nachgingen, in diesem Zeitraum signifikant stärker in ihrer geistigen Verarbeitungsgeschwindigkeit und ihrem episodischen Gedächtnis abnahmen, als Personen, die moderat oder intensiv sportlich aktiv waren. Der Unterschied zwischen den beiden Personengruppen entspricht etwa einer physiologischen Hirnalterung von 10 Jahren. Dieses Ergebnis ist auch dann noch gültig, wenn der Einfluss von vaskulären Risikofaktoren und soziodemographischen Merkmalen herausgerechnet wird.

Daraus lässt sich ableiten, dass Sport wesentlich dazu beitragen kann, das Gehirn jung zu halten. 

 

http://www.neurology.org/content/early/2016/03/23/WNL.0000000000002582 

 

Personen mit erhöhtem genetischem Risiko für Alzheimer-Demenz profitieren besonders von geistiger Aktivität

März 2016 

 

Es gibt viele Studien, die darauf hinweisen, dass geistige Aktivität das Demenzrisiko reduziert. Auch eine neue Untersuchung mit fast 400 Teilnehmern ab 70 Jahren, die keine oder nur leichte kognitive Beeinträchtigungen aufwiesen, spricht für die schützende Wirkung von geistiger Aktivität. Vor allem Personen, die über ein erhöhtes genetisches Risiko für Alzheimer-Demenz in Form des Risikogens Apolipoprotein E 4 verfügen, könnten hiervon profitieren.

Die Forscher befragten die Studienteilnehmer rückblickend zu ihrer geistigen und körperlichen Aktivität zwischen ihrem 50. und 65. Lebensjahr. Darüber hinaus wurden bildgebende Verfahren (MRT und PET) eingesetzt, um u.a. das Ausmaß an schädlichen Beta-Amyloid-Ablagerungen feststellen zu können, die im Gehirn von Alzheimer-Patienten typischerweise vorkommen. Hierbei zeigte sich insbesondere bei Teilnehmern mit erhöhtem genetischen Risiko ein bedeutsamer Zusammenhang zwischen der geistigen Aktivität und den Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn: bei Personen mit höherer Bildung und geistig aktivem Leben im mittleren Alter waren deutlich weniger Ablagerungen zu finden als bei Personen, die geistig nicht so aktiv waren.

Die Ergebnisse legen erneut nahe, dass es sich lohnt, geistig aktiv zu werden bzw. zu bleiben – ganz besonders dann, wenn genetisch bedingt ein erhöhtes Demenzrisiko besteht. 

 

http://www.neurology.org/content/86/12/1128.full.pdf+html

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/65903/Wie-mentale-Aktivitaet-sich-auf-Alzheimer-auswirkt 

 

Bildung schützt vor Demenz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Januar 2016

 

Im Rahmen der Framingham Heart Study werden seit 1975 Personen verschiedenen Alters aus der Stadt Framingham (Massachusetts, USA) befragt und medizinisch untersucht. Inzwischen gingen auch die Daten von über 5.200 über 60-jährigen Studienteilnehmern in die Studie ein. Es wurden ältere Personen aus vier Zeitabschnitten untersucht: späte 1970er bis frühe 1980er, späte 1980er bis frühe 1990er, späte 1990er bis frühe 2000er und späte 2000er bis frühe 2010er Jahre. Vor diesem Hintergrund konnte festgestellt werden, dass das Risiko, an Demenz zu erkranken, über die vier Zeitabschnitte zurückgegangen ist – jedoch nur bei Personen, die über einen höheren Bildungsabschluss verfügten. Dieses Ergebnis scheint auch dann gültig zu sein, wenn der Einfluss von familiären und vaskulären Risikofaktoren herausgerechnet wird.

Dieser Befund stützt die Ergebnisse anderer Studien, die ebenfalls auf den schützenden Einfluss von Bildung und geistiger Aktivität auf das Gehirn hinweisen. Welche Einflüsse hier noch bedeutsam sein könnten, geht aus der Studie nicht hervor; es ist z.B. denkbar, dass Personen mit höherer Bildung gesundheitsbewusster leben und stärker von der medizinischen Versorgung profitieren können. 

 

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1504327

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/alzheimer-warum-fuer-uns-das-demenz-risiko-sinkt-a-1077394.html 

 

Fortschritte in der medikamentösen Behandlung von Alzheimer-Demenz

Juli 2015 

 

Mit herkömmlichen Medikamenten kann die Alzheimer-Demenz nicht ursächlich behandelt werden –Symptome lassen sich lediglich lindern und der Erkrankungsverlauf hinauszögern. Die Entwicklung neuer therapeutischer Wirkstoffe zielt daher darauf ab, in Prozesse einzugreifen, die der Entstehung der Alzheimer-Demenz ursächlich zugrunde liegen. Inzwischen befinden sich zwei Wirkstoffe in einer fortgeschrittenen wissenschaftlichen Prüfung, deren Wirkweise als klare Weiterentwicklung in der Behandlung der Alzheimer-Demenz angesehen werden kann. Wird frühzeitig mit der Behandlung begonnen, soll der Erkrankungsverlauf deutlich abgebremst werden. Einer dieser Wirkstoffe ist Solanezumab des Pharmaunternehmens Lilly, ein monoklonaler Antikörper, der an den schädlichen Beta-Amyloid-Ablagerungen ansetzt, die im Gehirn von Alzheimer-Patienten typisch sind. Bei dem zweiten Wirkstoff handelt es sich um den Antikörper Aducanumab von Biogen, der ebenfalls auf das Beta-Amyloid abzielt. 

Die vorläufigen Ergebnisse zur Wirksamkeit der Antikörper wurden auf der internationalen Konferenz der Alzheimer’s Association (AAIC) im Juli 2015 in Washington vorgestellt. Derzeit laufen noch groß angelegte Therapiestudien mit mehreren tausend Teilnehmern, siehe hierzu auch „Laufende Studien“. 

 

http://www.zeit.de/2015/29/alzheimer-demenz-heilung-medikament

https://www.alz.org/aaic/releases_2015/wed-7amET.asp 

 

Das Risiko für Gedächtnisstörungen und Demenz lässt sich beeinflussen

März 2015 

 

Schon seit längerem ist bekannt, dass das Risiko für Gedächtnisstörungen und Alzheimer-Demenz im höheren Lebensalter von verschiedenen, oftmals beeinflussbaren Faktoren abhängig ist. Dies legt die Vermutung nahe, dass sich durch eine Beeinflussung der Risikofaktoren entsprechend auch das Erkrankungsrisiko beeinflussen lässt. In vielen, meist kleineren Studien wurde diese Annahme bereits untersucht und gestützt. Nun wurden die Zwischenergebnisse einer groß angelegten Studie aus Skandinavien veröffentlicht, an der über 1.200 Personen zwischen 60 und 77 Jahren teilnehmen, die ein leicht erhöhtes Demenzrisiko sowie veränderbare Risikofaktoren aufweisen, z.B. kardiovaskuläre Erkrankungen. Alle Teilnehmer erhielten eine Beratung zu einem gesunden Lebensstil. Die Hälfte der Teilnehmer nahm außerdem multimodale Maßnahmen zur Reduktion der Risikofaktoren in Anspruch, z.B. Gruppensitzungen zur Vermittlung einer gesunden Ernährung, ein Training der geistigen Leistungsfähigkeit sowie ein individuell abgestimmtes Fitnessprogramm.  Die geistige Leistungsfähigkeit der Teilnehmer wurde zu Beginn der Studie, nach einem Jahr und nach zwei Jahren untersucht; hierbei zeigte sich, dass die Gruppe der Teilnehmer, die multimodale Maßnahmen erhalten hatte, ihre Leistungsfähigkeit signifikant stabilisieren oder gar verbessern konnte.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass das Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, durch gezielte Maßnahmen reduziert bzw. der Krankheitsbeginn deutlich hinausgezögert werden kann. Eine Fortsetzung der Studie über weitere Jahre ist geplant. 

Neues vom ISPG
 
13. und 15. Juni 2016: Praxiserleben
 

Im Juni 2016 empfing das ISPG Abgeordnete des Bundestags, um ihnen Einblicke in die praktische und wissenschaftliche Arbeit im Bereich der Früherkennung, Vorsorge und Behandlung von Demenzerkrankungen zu vermitteln. Der Besuch der Bundestagsabgeordneten fand im Rahmen des sogenannten „Praxiserleben“ statt. Das sind Veranstaltungen, die vom Dialogforum Demenz organisiert werden, um Politikern konkrete Beispiele aus dem Alltag der Versorgung Demenzkranker und der Situation ihrer Angehörigen näherzubringen. 

 

Am 13. Juni besuchten die Bundestagsabgeordneten Gabriele Katzmarek, Stefan Rebmann und Lothar Binding von der SPD das ISPG. Auch Dr. Gerd Kräh und Dr. Susanne Kraemer von Lilly Deutschland, einem Partner des Dialogforums Demenz, schlossen sich dem Praxiserleben an. Im Rahmen eines Vortrags von Prof. Dr. Georg Adler und Dr. Yvonne Lembach kam so eine rege und konstruktive Gesprächsrunde zustande, in der die Herausforderung einer zuverlässigen Früherkennung sowie die Bedeutung präventiver und früher therapeutischer Maßnahmen thematisiert wurden. Im Anschluss hieran führten Prof. Adler und seine Mitarbeiterinnen die Besucher durch die Räume des ISPG  und demonstrierten ihnen den computerbasierten Merkfähigkeits- und Aufmerksamkeitstest (MAT), der auf großes Interesse stieß.

 

Prof. Georg Adler während des Vortrags für die Besucher

 

V.l.n.r: Lothar Binding, Gabriele Katzmarek und Stefan Rebmann während Gesprächsrunde...
...und nach der Gesprächsrunde
Ein Rundgang durch das ISPG – Prof. Georg Adler kommentiert die historischen Bilder Mannheims im Wartezimmer, die zum gestalterischen Konzept des ISPG gehören
Gabriele Katzmarek, Stefan Rebmann, Lothar Binding, Dr. Gerd Kräh und Dr. Susanne Kraemer richten ihre Aufmerksamkeit auf den computergestützten Merkfähigkeits- und Aufmerksamkeitstest

Auch am 15. Juni, beim Besuch des Bundestagsabgeordneten Dr. Stefan Kaufmann von der CDU/CSU sowie von Prof. Dr. Beate Kretschmer und Dr. Edith Schneider von Lilly Deutschland, kamen im Kontext des Vortrags viele Fragen und Anregungen rund um die Themen Früherkennung und Vorbeugung auf, die gemeinsam diskutiert wurden.  Auch dem volkswirtschaftlichen Blick auf Demenzerkrankungen wurde hierbei Rechnung getragen. Dr. Kaufmann interessierte sich darüber hinaus für die öffentliche Forschungsförderung im Bereich von Demenzerkrankungen, die in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern bislang verbesserungsbedürftig erscheint.

 

Dr. Edith Schneider und Dr. Stefan Kaufmann in der Gesprächsrunde
Dr. Stefan Kaufmann und Prof. Georg Adler beim Rundgang, hier im Untersuchungsraum...
...und bei der Verabschiedung im Foyer

Ausführliche Berichte über die Tage des Praxiserlebens im ISPG finden Sie auf den Internetseiten des Dialogforums Demenz: www.dialogforum-demenz.de/praxiserlebnisse.aspx

 

7. Juni 2016

 

Am 7. Juni besuchte eine Delegation von Experten des koreanischen Gesundheitsministeriums unter Leitung von Frau Mi-Yeon Kim das ISPG. Die Mitglieder der 18köpfigen Delegation informierten sich über Möglichkeiten zur Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung von Demenzerkrankungen. Die demographische Entwicklung in Korea ähnelt der in Deutschland und anderen hochentwickelten Industrieländern, mit einem erheblich zunehmenden Bevölkerungsanteil Älterer und demgemäß auch mit einer erhöhten Häufigkeit von Demenzerkrankungen.

 

Nach der Begrüßung der Gäste im ISPG und einem kurzen Rundgang durch das Institut fanden sich die koreanischen Experten zu einem Vortrag von Prof. Dr. Georg Adler ein, in dem ausführlich über die Häufigkeit und Entwicklung der Demenz in Deutschland sowie Möglichkeiten zur Früherkennung, Vorsorge und Behandlung von Demenzerkrankungen berichtet wurde. Die Gäste zeigten sich daher besonders an Kogifit® Plus, dem Gesundheitsangebot zur Früherkennung und Vorbeugung von Demenzerkrankungen, interessiert.

 

Gruppenbild mit den koreanischen Experten
Vortrag mit anschließendem Austausch
Mi-Yeon Kim überreicht Prof. Georg Adler Spezialitäten aus Korea